Auf den ersten Blick wirken Bonobos faszinierend: Sie sind neben den Schimpansen unsere nächsten lebenden Verwandten, äußerst intelligent, sozial hochentwickelt und für ihr friedfertiges Wesen bekannt. Konflikte lösen sie häufig durch Zuneigung und sexuelle Interaktionen statt durch Aggression. Das lässt bei manchen Tierliebhabern den exotischen Wunsch aufkommen, einen solchen Menschenaffen als Gefährten im eigenen Zuhause zu halten. Doch so verlockend der Gedanke scheinen mag: Einen Bonobo als Haustier zu halten, ist nicht nur rechtlich nahezu unmöglich, sondern für Mensch und Tier ein völliges Desaster.
1. Die rechtliche Lage: Strenger Schutzstatus
Bonobos (Pan paniscus) sind extrem selten. Sie leben ausschließlich in den tropischen Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo und gelten laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet. Ihr Bestand wird durch Wilderei und die Zerstörung ihres Lebensraums massiv bedroht.
International sind Bonobos durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES, Anhang I) strengstens geschützt. Der kommerzielle Handel mit ihnen ist weltweit illegal. In Deutschland und den meisten europäischen Ländern verbietet das Bundesnaturschutzgesetz die Privathaltung von Menschenaffen faktisch vollständig. Es werden schlichtweg keine Genehmigungen an Privatpersonen erteilt, da die gesetzlichen Mindestanforderungen an ein Gehege für Privatleute unerfüllbar sind. Ein Bonobo im Wohnzimmer ist somit schlichtweg illegal.
2. Artgerechte Haltung in Gefangenschaft ist privat unmöglich
Selbst wer theoretisch über ein enormes Grundstück und viel Geld verfügt, kann den Bedürfnissen eines Bonobos im häuslichen Rahmen niemals gerecht werden:
- Komplexe soziale Strukturen: Bonobos sind hochgradig soziale Wesen, die in großen, von Weibchen dominierten Gemeinschaften (sogenannten Fission-Fusion-Gesellschaften) leben. Ein einzeln gehaltener Bonobo vereinsamt seelisch und entwickelt schwere Verhaltensstörungen bis hin zur Selbstverstümmelung. Der Mensch kann den Sozialpartner Affe niemals ersetzen.
- Enormer Platz- und Kletterbedarf: Bonobos verbringen einen Großteil ihres Lebens in Bäumen. Sie benötigen großflächige Außen- und Innenanlagen mit stabilen Kletterstrukturen, Rückzugsorten und täglich wechselnden Beschäftigungsmöglichkeiten (Enrichment). Ein Haus oder eine gewöhnliche Voliere grenzt für sie an Isolationshaft.
- Geistige Unterforderung: Die Intelligenz von Bonobos ist mit der eines Kleinkindes vergleichbar. Fehlt ihnen eine ständige geistige Herausforderung, führt Langeweile unvermeidlich zu Frustration und destruktivem Verhalten.
3. Das Sicherheitsrisiko: Unberechenbare Urgewalten
Oft entsteht der Wunsch nach einem Affen durch Bilder von süßen Jungtieren. Doch Jungtiere wachsen heran:
- Enorme körperliche Kraft: Ein erwachsener Bonobo verfügt über ein Vielfaches der Muskelkraft eines erwachsenen Mannes. Selbst im Spiel oder bei leichter Verärgerung kann ein Bonobo einem Menschen mühelos schwere Verletzungen, Knochenbrüche oder Fleischwunden durch seine kräftigen Eckzähne zufügen.
- Verlust der Beherrschbarkeit in der Pubertät: Spätestens mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife (im Alter von etwa 7 bis 9 Jahren) lässt sich ein Menschenaffe nicht mehr erziehen oder kontrollieren. Der Versuch, ihn durch Zwang oder Einsperren zu bändigen, führt zu massiver Aggression.
4. Hohe Gesundheits- und Infektionsrisiken (Zoonosen)
Aufgrund der nahen Verwandtschaft zwischen Mensch und Bonobo können Krankheitserreger mühelos zwischen den Arten überspringen. Ein harmloser menschlicher Schnupfen, Herpes-Viren oder Masern können für den Affen tödlich enden. Umgekehrt können Bonobos gefährliche Erreger und Parasiten auf den Menschen übertragen.
5. Der grausame Kreislauf des Wildtierhandels
Wer über dunkle Kanäle versucht, an ein Affenbaby zu gelangen, unterstützt unweigerlich massive Tierquälerei. Um ein Säuglingstier im Regenwald einzufangen, töten Wilderer in der Regel die Mutter und oft auch andere Mitglieder der Gruppe, die das Junge verteidigen wollen. Die meisten Jungtiere überleben den illegalen Schmuggeltransport nicht.
Fazit
Bonobos gehören in den kongolesischen Regenwald und dürfen allenfalls in hochspezialisierten zoologischen Einrichtungen und Schutzstationen zu Erhaltungs- und Bildungszwecken gepflegt werden. Wer diese faszinierenden Geschöpfe wirklich liebt, verzichtet auf den Gedanken, sie zu besitzen, und unterstützt stattdessen seriöse Schutzprojekte vor Ort.