Söder würde „fast alles zahlen“ für eine Maß Bier. Die kostet mittlerweile zwischen 14,80 und 15,90 Euro. Ist das Oktoberfest noch ein Volksfest im ursprünglichen Sinn?
Im ursprünglichen Sinn – als Fest der Münchner Bürger zur königlichen Hochzeit 1810 und später als Feier der regionalen Landbevölkerung – ist die Wiesn das schon lange nicht mehr.
Die Kernpunkte der Debatte im Überblick:
- Finanzielle Hürde: Bei Bierpreisen bis zu 15,90 Euro, einer halben Ente für 35 bis 40 Euro und Fahrgeschäftspreisen von oft 8 bis 12 Euro schlägt ein Familiennachmittag mit 150 bis 200 Euro zu Buche. Für Normal- oder Geringverdiener ist ein unbeschwerter Besuch kaum noch darstellbar.
- Kommerzialisierung & Event-Kultur: Das Fest ist zu einer globalen Konsum- und Marketing-Plattform mutiert. Exklusive Reservierungsblöcke, Mindestverzehr und die VIP-Boxenkultur in den großen Zelten richten sich an solvente Touristen, Firmen-Events und Influencer statt an den klassischen Volksfestbesucher.
- Politische Entrücktheit: Wenn Spitzenpolitiker wie Söder sagen, sie würden „fast alles zahlen“, spiegelt das eine Realität wider, in der solche Beträge aus der Portokasse oder über Einladungen laufen – an den realen Budgets der breiten Bevölkerung geht dieser Maßstab komplett vorbei.
- Was vom „Volksfest“ bleibt: Der Eintritt auf das Kerngelände ist nach wie vor frei, und Orte wie die „Oide Wiesn“ (mit moderaterem Eintritt und traditionellerer Ausrichtung) versuchen, den Charme der Anfangszeiten zu bewahren. Für viele Münchner bleibt es trotz allem gelebtes Brauchtum, selbst wenn sie nur für eine Maß oder den Rundgang kommen.
Das Oktoberfest ist heute in erster Linie ein globaler Wirtschaftsfaktor und Mega-Event mit bayerischer Folklorekulisse. Der Begriff „Volksfest“ existiert zwar formell weiter, die soziologische Realität ist aber längst eine ganz andere.
Ich mal mich heute in die Szene – das schont meine Geldbörse.