Warum haben Menschen vor der Entdeckung des Feuers rohes Fleisch vertragen?

Vor der Nutzung des Feuers war der menschliche Verdauungstrakt nicht magisch anders aufgebaut – unser Magensaft ist mit einem pH-Wert von ca. 1,5 bis 2,0 extrem sauer, vergleichbar mit dem von Aasfressern, was Bakterien und Parasiten effektiv abtötet. Der biologische Knackpunkt lag woanders: Frische und Kauaufwand. Das Fleisch frisch erlegter Tiere war weitgehend steril; krank machten erst die Bakterien, die sich bei längerer Lagerung vermehrten.

Seit der flächendeckenden Nutzung des Feuers vor etwa 400.000 bis 1,8 Millionen Jahren hat sich der Mensch jedoch evolutiv angepasst. Da gekochtes Fleisch leichter verdaulich ist und Energie schneller freisetzt, verkürzte sich unser Darm und die Kiefermuskulatur schrumpfte.

Wir vertragen rohes Fleisch auch heute noch problemlos, solange zwei Bedingungen erfüllt sind: Keimfreiheit (durch extreme Frische oder strenge Hygiene-Standards in der Verarbeitung) und Parasitenfreiheit – geregelt durch strenge HACCP-Vorgaben*.

Das Risiko liegt heute primär in der industriellen Massenverarbeitung (z. B. Salmonellen, E. coli oder Bandwürmer): Beim Wolfen wird die keimbelastete Außenseite des Fleisches mit dem keimfreien Inneren vermischt und die Oberfläche um ein Vielfaches vergrößert.

Bekannte Rohfleisch- und Rohfischgerichte weltweit

HACCP-Grundsätze

*HACCP steht für Hazard Analysis and Critical Control Points (auf Deutsch: Gefahrenanalyse und kritische Lenkungspunkte). Es ist ein präventives System zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und Hygiene, das in der EU für alle Lebensmittelbetriebe gesetzlich vorgeschrieben ist (VO (EG) Nr. 852/2004).

(KI generiertes Bild...wo hast du meine Katze gefunden?)