Vor zehn Jahren war die Welt im Supermarktregal noch herrlich unkompliziert: Man ging in den osteuropäischen Laden um die Ecke, griff nach Pelmeni, packte eine Schachtel Kiewer Pralinen ein und nahm dazu die legendären „Mischka“-Bonbons von Krasnyj Oktjabr mit – mit den berühmten drei Bären im Kiefernwald auf dem Wickelpapier. Was zählte, war der Geschmack.

Heute fühlt sich derselbe Einkauf fast an wie ein illegaler Grenzübertritt mit Gesinnungsprüfung. Man ertappt sich plötzlich bei absurden Fragen: Ist dieser Birkensaft noch politisch korrekt? Darf die Kiewer Pralinenschachtel neben den Moskauer Waffel-Bären im Korb liegen, oder braucht man dafür bald ein Visum und eine Sondergenehmigung am Süßwarenregal?

In den sozialen Netzwerken tobt die Moral-Polizei. Wer nicht penibel nach Herkunft sortiert, gerät sofort unter Generalverdacht. Aus Schokolade wird eine Staatsaffäre. Dabei vergessen die Tugendwächter das Wesentliche: Eine Konfektpackung ist kein politisches Manifest. Ein „Mischka“-Bonbon schmeckt nach unbeschwerter Kindheit und Neujahrsfesten, nicht nach Geopolitik.

Mischka-Bonbons von Krasnyj Oktjabr
Mischka-Bonbons von Krasnyj Oktjabr – Klick zum Vergrößern
Vor zehn Jahren hat mir einfach alles geschmeckt. Und am Ende bleibt die Erkenntnis: Menschlichkeit, Erinnerungen und Appetit lassen sich nicht durch Stacheldraht und Passkontrollen vorschreiben.